Millenials proben den Ernstfall

Während Gen Z jeden Freitag hoffnungsvoll ihr Recht auf Zukunft einfordert und betagte Politiker noch immer daran glauben, die globale Erwärmung mit Nichtstun stoppen zu können, scheinen Millenials bereits einen Schritt weiter zu sein. Ein Blick hinter Mode, Lifestyle und Konsumgewohnheiten der trendaffinen Generation lässt vermuten, dass ihre komisch anmutenden Eigenarten eigentlich geschickte Vorbereitungsmaßnahmen auf anstehende Katastrophenszenarien sind. Eine Bestandsaufnahme.

Los komm, wir sterben endlich aus, denn das ist besser für die Welt!

DIE ÄRZTE – Abschied (2019)

Vegetarische und vegane Ernährung sind lange kein Trend mehr unter Millenials. Mittlerweile Experten darin, aus Nüssen, Hafer oder Soja Milchersatzprodukte herzustellen (weil sowieso jeder Zweite laktoseintollerant ist) hat ein Großteil der Generation Geschmack am grünen Ernährungsstil gefunden. Um den Einzugskreis der verarbeiteten Lebensmittel möglichst gering zu halten, stehen Balkone und Communitygärten voll mit Gemüse und Kräutern, die Millenials pflichtbewusst pflegen und ernten. Dabei trifft es sich gut, dass ein Großteil der experimentierfreudigen Generation bereits aus früherster Jugend mit der Aufzucht pflegeintensiver Grünpflanzen für den Eigenbedarf vertraut ist.

Auch die kondo’sche Abkehr von materiellem Besitz erscheint auf den zweiten Blick mehr als nur ein Appell zum Aufräumen. Um sich schon heute daran zu gewöhnen, dass Konsum ein Auslaufmodell ist, kaufen Millenials vermehrt in Second Hand Läden, besuchen Kleidertauschpartys oder greifen selbst zu Nadel und Faden. Auch aktuelle Mode- und Beautytrends der jungen Generation scheinen nicht allein der Selbstdarstellung zu dienen. Ob Neon-Details auf Gesicht und Kleidung zur besseren Sichtbarkeit in smogverhangenen Städten, ugly but functional Sneakern zum schnellen Davonlaufen in heiklen Situationen oder dem vielsagenden Comeback von Utility- und Workwear – alles deutet darauf hin, dass die Vorlieben der Millenials sich von Komasaufen zu Katastrophenschutz entwickelt haben.

Auch das Thema Mobilität bleibt nicht ungeachtet. Wer braucht schließlich ein Auto, wenn ohnehin bald der Treibstoff ausgeht? Deshalb setzen Millenials auf öffentliche Verkehrsmittel und nachhaltige Alternativen. Mit Fahrrädern, Longboards und eScootern fahren sie abgasfrei und ressourcenschonend durch globale Großstädte. Auch Hobbys betreiben sie nicht ohne Hintergedanken. Beliebte Freizeitaktivitäten wie Wandern, Bouldern und Hindernisrennen bereiten die cleveren Vordenker schon jetzt auf potenzielle urbane Herausforderungen vor.

Selbst ein mögliches Ende der mobilen Kommunikation kann die geniale Generation nicht mehr aus der Ruhe bringen. Geweckt vom nach-unten-schauenden-Hund beginnt der Tag eines Millenials mit Meditation und Mindfulness. Durch Achtsamkeit und Digital Detox üben sie sich in Geduld und bereiten sich darauf vor, dem Ende der Welt mit einem gelassenen Sonnengruß zu begegnen.

Und wir singen im Atomschutzbunker: Hurra, diese Welt geht unter!

KIZ – Hurra die Welt geht unter (2015)

Ob Hoffnung, Protektionismus oder Ignoranz – jede Generation scheint ihre eigenen Strategien zu entwickelt, um den Anforderungen der nahenden Zukunft zu begegnen. Bestünde nicht das Verlangen, sich selbst stets einem der drei Lager zugehörig fühlen zu müssen, erschiene es fast logisch, dass eine gesunde Kombination der drei Ansätze eine aussichtsreiche Zukunft möglich machen könnte.

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