Seit meiner frühsten Kindheit, ziehen Bücher mich in ihren Bann. Ganze Urlaube habe ich zwischen den Seiten von Romanen verbracht. Versunken in Schauergeschichten, Erzählungen über Freundschaft und Liebe und Sachbüchern über das Geschehen in der Welt. Und mit jeder Seite, die ich verschlungen habe, wurde mir klarer, dass ich irgendwann selbst Autorin eines Romans sein würde. 

Mein Plan war, nach dem Abitur ein Journalismus-Studium einzuschlagen und von dort aus weiterzugehen. Erstmal die Basistechniken lernen, das Handwerkzeug, Schreibroutinen und einen Stil entwickeln, mich von kleinen Geschichten zu großen bewegen – so hatte ich mir das vorgestellt. Doch an jeder Stelle, an der ich nach Hilfe und Informationen fragte, um den richtigen Studienplatz zu finden, wurde ich abgewiesen und verunsichert. Journalismus sei kein sicherer Job, habe keine Zukunftsaussichten und erst recht keine Chancen auf Festanstellung. Gerade als Frau, sollte man sich dieses Investment von Zeit und Geld gut überdenken und lieber ein anderes Studienfach wählen. Journalist könne man dann zur Not immer noch werden. 

Verunsichert und ohne Vorstellung von dem, was vor mir lag, verschlug es mich wie so viele in ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Vollkommen überlaufen quetschte ich mich Tag für Tag in die Reihen überfüllter Hörsäle. Ich fand schnell heraus, dass Marketing der Zweig des Studiums war, der die größte Begeisterung in mir weckte. Doch selbst an diesem Ast, konnte ich mich durch die harte Selektion während der ersten Semester kaum festhalten. 

Unzufrieden mit den Noten und Inhalten des Grundstudiums und dennoch zu ehrgeizig und unsicher, um das Ganze abzubrechen, entschied ich mich für ein Zweitstudium. Marketing machte leider nur wenige Wochenstunden meines Studiums aus und wenn ich mich schon durch den Rest quälen musste, wollte ich zumindest jeden Tag ein paar Aha-Erlebnisse haben. Und die suchte ich in den Medienwissenschaften.

Ich war auf der Flucht. Rannte Wochen und Monate. Hatte genug von der Welt glatter Oberflächen. Von gesenkten Köpfen und vollen Wunschzetteln. Von Heute.

Der Erschöpfung nahe. Dann die Erkenntnis.

Rote Königin.

Die Zeit schritt fort – ich rannte auf der Stelle. Hoffte auf Fortbewegung durch Rückschritt.

Und blieb stehen. Im Gestern.

Analog war nicht mehr romantische Erinnerung. Spuren wieder sinnlich erfahrbar. Ich vernahm den Geruch alternder Buchseiten. Spürte abgegriffenes Leder. Hörte das Knistern von Zeitungsseiten.

Und entschied zu bleiben.

Als Pendlerin zwischen Gestern und Heute, teile ich seitdem meinen inneren Monolog.

Ich renne noch immer. Versteht mich nicht falsch. Aber Bewegung fließt besser mit Tempolimit.

Micropolis ist für mich Collage und leeres Blatt. Schmuckloses Kleinod und Rückzugsort. Meine Haarnadel im Gefängnis der Möglichkeiten.

Erlebt. Erdacht. Erlesen.

Begeistert, dass ich meine Seminare plötzlich frei wählen konnte und statt mit 500 nur noch mit allerhöchstens 50 Personen in einem Raum saß, lernte ich endlich die Schönheit des Studentenlebens schätzen. Die Kulturwissenschaften erlaubten mir Inhalte kritisch zu hinterfragen, zu diskutieren und durch Hausarbeiten anstelle von Multiple-Choice Tests auch endlich wieder zu schreiben. 

Zusätzlich hatte ich in einer studentischen Marketing-Initiative einen Ort gefunden, an dem ich praktische Erfahrungen im Bereich Wirtschaft sammeln konnte und wurde nach kurzer Zeit Teil der Chefredaktion ihres nationalen Marketing Magazins. 

Zwei Vollzeit-Studien und die Arbeit beim Magazin hatten meinen Kalender gut im Griff und lehrten mich einiges im Bereich Zeitmanagement, was ich später im Berufsleben gut gebrauchen konnte. Mit der neuen Mischung aus Marketing und  Medienwissenschaften und der Möglichkeit zu schreiben, hätte ich zufriedener nicht sein können. 

Meine Liebe zur Fotografie und der Weg in die Mode

Das Wirtschaftsstudium in der Tasche und mittlerweile zwei Jahren in der Chefredaktion des Marketing Magazins verliehen mir Mut, meinen Fokus auf das zu legen, was ich liebte. Parallel zum Master in den Medienwissenschaften startete ich ein Praktikum bei einem Hamburger Mode Magazin. Ich arbeitete einige Monate aus der Ferne und in den Semesterferien ein paar Wochen vor Ort. Meine Hauptaufgabe war das Texten für verschiedene Mode- und Lifestyle Blogs und so verbrachte ich jede freie Minute in der Uni-Cafeteria mit dem Verfassen von Artikeln über Fell-Birkenstocks von Céline und den neusten Gossip der Berliner Fashion Week. 

Zu dieser Zeit entdeckte ich meine Liebe zur Fotografie, ging ohne analoge oder digitale Kamera selten aus dem Haus und belegte einen Großteil meiner Seminare in den Bereichen Fotografie und Kunst. Noch immer sicher, mein Leben nicht mit der Arbeit im Journalismus, geschweige denn der als Autorin bestreiten zu können, bewarb ich mich für ein weiteres Praktikum. Diesmal in der Marketingabteilung eines großen Modeunternehmens. 

Und ich wurde genommen. 

Auf das Praktikum folgte schnell eine Festanstellung, die ich trotz des parallel laufenden Studiums nicht ablehnen konnte. Ich lernte spannende Menschen kennen, reiste von Event zu Event und besuchte nun regelmäßig die Fashion Weeks, über die ich Monate zuvor noch in der Cafeteria geschrieben hatte. Für einige Jahre fühlte ich mich endlich angekommen. 

Wünsche erfüllen sich nicht von alleine

Ich schloss mein Masterstudium erfolgreich ab und wuchs mit meinen Aufgaben als Teil der Marketingkommunikation des Modeunternehmens. Doch irgendwann merkte ich, dass mein Traum vom Schreiben niemals wahr werden würde, wenn ich mich nicht langsam darum kümmerte. Und reichte meine Kündigung ein. 

Bewusst für einige Monate ohne Anstellung und erstmals ohne andere Verpflichtungen, nahm die Idee für mein Buch langsam Form an und die Freude am Schreiben wuchs von Tag zu Tag. Mit Micropolis-Mag.com erschuf ich eine Plattform, die mir seit den ersten Tagen im Studium im Kopf schwebte. Leider fehlte mir damals der Mut, meine Texte und Gedanken offen nach Außen zu tragen. Bis heute liegen sie in zahlreichen Notizbüchern verstreut auf meinem Schreibtisch. 

Ein halbes Jahr nach dem Start von Micropolis erreichte mich ein Jobangebot, das ich nicht ablehnen konnte. Wieder ging es um eine Stelle in der Wirtschaft. Ich sollte mich unter anderem um die Bereiche Content und Story kümmern und könnte sogar in Teilzeit arbeiten. Zwar reichten meine Ersparnisse noch locker ein weiteres Jahr aus, doch das Angebot schien mir eine gute Chance, meine Freude am Marketing und meine Liebe zum Schreiben zu kombinieren. 

Ich bin noch immer nicht an dem Punkt angelangt, vom Schreiben leben zu können, aber ich habe mich meinem Traum noch nie so nahe gefühlt. Meine beste Freundin sagt immer Künstler ist kein geschützter Begriff. Ich habe nachgesehen. 

Autorin auch nicht.