Irgendwie haben wir doch alle den Impuls uns zu verwirklichen. Uns darzustellen. Etwas von uns nach Außen zu tragen. Und das in den verschiedensten Formen. Malerei, Text, Fotografie, vielleicht stricken. Eine Suche nach uns selbst im Außen. Eine Möglichkeit, uns zu zeigen. 

Mit dem Internet ist ein Kanal entstanden, über den wir unsere Leidenschaften teilen können. Und zwar nicht nur mit unseren engsten Freunden und Verwandten, sondern mit einer breiten Masse. Wir teilen Bilder von Büchern, Autos, Tieren, unseren Kindern und zeigen am Ende in allem besonders eines: Uns Selbst.

Wir würden unsere Leidenschaften nicht teilen, wenn es nicht irgendwo diesen Wunsch nach Aufmerksamkeit in uns gäbe. Die Hoffnung, wahrgenommen zu werden, Zuspruch zu erhalten, positive Rückmeldung zu bekommen. Für das, was wir tun. Für das, was wir sind. 

Leider ist das was wir kreieren oft nicht gleichzeitig das, was Zuspruch findet. Unter dem Schleier des Alltäglichen wird geliked, was bekannt ist. Was Sehgewohnheiten gerade nicht herausfordert, sondern ihnen entspricht. Was unterhält, nicht anstrengt. Was unsere Passivität nicht stört. Halt leichte Kost. 

Deswegen ist es nicht gerade ratsam, in der Selbstdarstellung Neues zu präsentieren. Zu viel eigenes zu zeigen. Lieber kopieren. Am besten von den Besten. Denen, die den meisten Zuspruch bekommen. Die meisten Likes haben. Die meisten Zuschauer.

Der Wunsch nach Selbstverwirklichung macht Platz für den Wunsch zu gefallen. Wir teilen weiterhin Bilder und Videos, zeigen unser Leben. Erzählen unsere Geschichte. Zumindest eine Geschichte. Eigentlich ein und die Selbe. Eben die, die gefällt. Verbergen das Selbst zumindest für eine kurze Zeit hinter der Maske des Gewöhnlichen. Natürlich nicht lange. Nur bis es eben an der Zeit ist, uns zu zeigen. 

Die sozialen Netzwerke halten unsere Erzählungen fest. Chronologisch sortiert wie ein guter Lebenslauf, konfrontieren sie uns in Dauerschleife mit dem eigenen Erleben und Inszenieren. Jeder neue Strang macht unsere Erzählung dichter. Festigt sie. Verdrängt mit jedem Like den Verrat am Selbst. Den Tausch von Originalität gegen Aufmerksamkeit. Wir reisen nun dahin, wo andere hinreisen, besuchen die Orte, die andere uns empfehlen und tragen die Kleidung, die andere für uns aussuchen. Essen Avocados. Trinken Ingwer Shots und Macha Latte. Ignorieren die fast übermannende Vielfalt an Möglichkeiten, die uns offen stehen. Gehen den sicheren Weg. Nur um am Ende vielleicht so authentisch zu sein, dass wir beginnen unseren eigenen Erzählungen Glauben zu schenken.

Wir gewöhnen uns an die neuen Verhaltensweisen, den Komfort des Kopierens. Wie an einen Partner der zwar nicht ganz zu uns passt, den wir aber trotzdem nicht verlassen möchten, weil doch gerade alles so schön einfach ist. Wir halten unser Selbst ein kleines bisschen länger zurück. Gerade so lange, bis die nächste Hürde überwunden, der nächste Followerrekord geknackt ist. Bis wir uns sicher genug fühlen, endlich das präsentieren zu können, was wir wirklich sind. Und vergessen dabei von Tag zu Tag mehr, was das eigentlich war.

Fortsetzung folgt…


Hello World

Somehow we all have the impulse to realize ourselves. To express ourselves. To carry something of ourselves out. And in all sorts of ways. Painting, text, photography, maybe knitting. A search for ourselves on the outside. A way to show ourselves.

The Internet has created a channel through which we can share our passions. And not only with our closest friends and relatives, but with a broad mass. We share pictures of books, cars, animals, our children and in the end we show one thing in particular in everything: ourselves.

We would not share our passions if there was not this desire for attention somewhere within us. The hope to be noticed, to be encouraged, to receive positive feedback. For what we do. For who we are.

Unfortunately, what we create is often not at the same time what is appreciated. Under the veil of the everyday, we liken what is known. That which does not challenge visual habits, but rather corresponds to them. What entertains, does not exhaust. What does not disturb our passivity. Keep light fare.

That is why it is not advisable to present something new in self-expression. To show too much of your own. Rather copy. Best of the best. Those who get the most encouragement. Those who have the most Likes. The most viewers.

The desire for self-realization makes room for the desire to please. We keep sharing pictures and videos, showing our lives. Telling our story. At least a story. One and the same, actually. The one that pleases. Hiding the self behind the mask of the ordinary, at least for a little while. Not long, of course. Just until it’s time to show ourselves.

The social networks record our stories. Chronologically sorted like a good CV, they confront us in a continuous loop with our own experiences and staging. Each new strand makes our narrative denser. Strengthens it. With each Like, the betrayal of the self is suppressed. The exchange of originality for attention. We now travel where others travel, visit the places others recommend and wear the clothes others choose for us. Eating avocados. Drinking ginger shots and macha latte. Ignoring the almost overwhelming variety of options open to us. Walking the safe way. Only to end up perhaps being so authentic that we begin to believe our own stories.

We get used to the new behaviour, the comfort of copying. Like a partner who doesn’t quite suit us, but whom we still don’t want to leave because everything is so simple. We hold our self back a little bit longer. Just long enough to overcome the next hurdle, to break the next follower record. Until we feel secure enough to finally present what we really are. And in doing so, we forget more and more every day what that really was.

To be continued…


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