Vor ein paar Jahren hatte ich eine Phase, in der ich mich besonders für die Bewegung der Romantik interessierte. Ohnehin reisend in Deutschland unterwegs durch die Restriktionen (und das Unbehagen) während der Pandemie, zogen mich meine Recherchen dabei unter anderem ins Mittelrheintal, zur Walhalla und – natürlich – nach Weimar.
Es kam mir gelegen, dass genau in dieser Zeit ein Werk erschien, das sich meinem ungewöhnlichen Interesse widmete. »Fabelhafte Rebellen. Die frühen Romantiker und die Erfindung des Ich« von Andrea Wulf, die einige Jahre zuvor bereits das wunderbare Buch »Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur« verfasst hatte, beschäftigt sich darin mit der kleine Universitätsort Jena um das Jahr 1800 und dem Aufeinandertreffen von Persönlichkeiten wie Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller, Novalis, den Brüdern Schlegel, Schelling, Fichte und dem jungen Hegel.
Sachbuch oder Erzählung
Ich hatte zunächst ein klassisches Sachbuch über die deutsche Romantik erwartet – bekommen habe ich jedoch eine mitreißende Erzählung über eine Gruppe außergewöhnlicher Menschen, deren Ideen unser Denken bis heute prägen. Wulf zeigt eindrucksvoll, wie eng die Freundschaften, Liebesbeziehungen und intellektuellen Auseinandersetzungen der Protagonisten miteinander verwoben waren und zeigt darüber hinaus den bedeutenden Beitrag von Caroline Schlegel-Schelling und anderen Frauen, die die Frühromantik entscheidend mitgestaltet haben.
Im Zuge meiner Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Natur und Technologie fiel mir dieses spannende Werk nun erneut in die Hände und zog mich ein weiteres Mal in den Bann der Romantik.
Leseerlebnis und Schule der Aufmerksamkeit
Da es angesichts der Thematik und Detaildichte kein kurzes Leseerlebnis ist, verlangt das Buch auf jeden Fall die Aufmerksamkeit der Lesenden. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird mit einem faszinierenden Einblick in eine der wohl spannendsten Epochen der europäischen Geistesgeschichte belohnt. Eine Empfehlung für alle, die sich für Geschichte, Philosophie, Literatur oder Kultur interessieren – und Lust haben, ihr von TikTok in Mitleidenschaft gezogenes Konzentrationsvermögen mal wieder ein bisschen auf zu trainieren.
