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Der Gesang der Flusskrebse

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Der Gesang der Flusskrebse - Delia Owens

„Herbstblätter fallen nicht, sie fliegen. Sie nehmen sich Zeit und genießen ihre einzige Chance, frei zu sein. Sie blitzten im Sonnenlicht, wirbelten und segelten und flatterten auf den Schwingen des Windes.“

Wenn Bücher zu sehr gehyped werden, nehme ich eigentlich erstmal Abstand. Bei Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens war es ähnlich. 2018 von Reese Witherspoon in ihrem berühmten Insta-Buchclub besprochen, war der Roman in den vergangenen Jahren aus den Bestsellerlisten und von den Favoriten-Tischen der Buchhandlungen kaum wegzudenken. Nachdem ihn mir im letzten Jahr gleich mehrere Menschen aus meinem direkten Umfeld empfohlen haben und jetzt nun auch der Film in die Kinos kommt (natürlich produziert von Reese Witherspoon) war meine Neugier dann doch zu groß.

Und ja, natürlich ist Der Gesang der Flusskrebse kitschig, an vielen Stellen voraussehbar und eine etwas wirre Mischung aus verschiedensten Genres. Trotzdem war ich gut unterhalten, hatte Lust, weiterzulesen und musste einige Stellen angesichts der Schönheit der Worte von Delia Owens und ihren Übersetzer:innen Ulrike Wasel und Klaus Timmermann sogar unterstreichen.

Ganz sicher ist der Roman eine Flucht, ein Eskapismus in eine Welt der Natur, die es heute in dieser Form wohl nur noch in den seltensten Fällen gibt und die ich selbst wahrscheinlich nie kennenlernen durfte. In Deutschland der meistverkaufte Belletristiktitel 2021 passt seine Erscheinung damit wahrscheinlich perfekt in die von Corona geplagte Welt. 2022 gelesen, ist er für mich eine Flucht zurück in diese wirre Einsamkeit – eine Erinnerung an die Zeit der Isolation, die tatsächlich noch zu Beginn des Jahres bestand, aber durch deutlich zu viel Erleben in diesem Sommer schon wieder so weit entfernt scheint.

Mitgerissen und berührt vom Erleben der Protagonistin denke ich an Begriffe wie Waldeinsamkeit und erkenne die Vogelbeobachtung als Ruhepol, den ich in diesem Jahr bereits bei Nichts tun von Jenny Odell kennengelernt habe. Ich erwische mich bis zum Ende in der Hoffnung, dass Kya ihren Weg aus der Marsch findet und wünsche ihr im selben Moment, dass sie bleibt und sich der Welt der Menschen nicht aussetzt, weil sie irgendwie vielleicht doch nichts verpassen würde.

Der Gesang der Flusskrebse scheint, wie so viele Bücher dieser Tage, ein Aufruf an die Rückverbindung mit der Natur. Eine Sehnsuchtserklärung an ein Leben im Einklang. Sicher keine große Literatur, war es für mich ein schöner Roman für die letzten Tage des Sommers. Die Fantasie eines Leben voll Stille und Langsamkeit.

Larissa Lenze

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