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Zeit ist relativ.

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Emile Zola - Das Paradies der Damen

Seit Jahren verfolgen mich Pinnwand- und Grußkarten-Sprüche mit der Aufschrift, Zeit sei das wohl größte Geschenk, das ich erhalten könne. Entsprechend fühlte ich mich reich beschenkt, als ich vor wenigen Wochen eine Menge Zeit überreicht bekam.

Natürlich war mein erster Gedanke, das volle Zeitkonto zu nutzen, um endlich wieder zu lesen. So wuchs schnell ein mittelgroßer Stapel neuer und alter Bücher heran, der mich in den Folgewochen begleiten sollte. Ganz oben lag „Das Paradies der Damen“ – ein Klassiker, den ich seit Jahren sehnsuchtsvoll anschmachtete, jedoch nie zur Hand nahm, weil es ständig an Zeit fehlte. Nun war sie gekommen! Doch Zolas detaillierte Beschreibungen und der langsame Fortschritt der Geschichte machten mir das Lesen alles andere als einfach. Sollte ich es nicht genießen, den kleinteiligen Beschreibung des Autors zu folgen und durch sie immer tiefer in die Welt des Romans versinken? In Gedanken bei meinem gefüllten Zeitkonto merkte ich, dass es mir an etwas ganz anderem mangelte: Geduld.

Wie konnte das passieren? Es war nicht so, als hätte ich in den letzten Jahren wenig gelesen. Rückblickend betrachtet, fanden allerdings immer seltener Romane ihren Weg auf meinen Bücherstapel. Insbesondere Sachbücher machten einen Großteil meines Lesevolumens der letzten Monate aus. Zu verlockend war wohl die unmittelbare Belohnung des schnellen Lesefortschritts, zu fordernd der Hunger nach neuem Wissen. Nun zahlte ich den Preis.

Doch an welchem Punkt war meine Geduld auf der Strecke geblieben? Und viel wichtiger: Wie finde ich nun wieder zurück?

Larissa Lenze

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