Vom Suchen und Finden

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Vor wenigen Wochen ist ein Mensch zurück in mein Leben getreten, den ich lange aus den Augen verloren hatte. 

Es war das typische Ende einer Millenial-Beziehung: Keine böse Absicht, kein Swipe in die falsche Richtung, einfach ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, der dem Algorithmus signalisierte, ich sei bereit für etwas Neues und mein Gegenüber erst aus den Augen und dann aus dem Sinn verbannte.

Vor wenigen Wochen fand Lina Mallon endlich den Weg zurück in meine Blase. Im Diskurs um die angemessene Vergütung von Online-Content, plädierte die freischaffende Autorin und Fotografin an den Gerechtigkeitssinn ihrer Leser. Als Schreibende selbst konfrontiert mit dieser Problematik, besuchte ich nach Jahren wieder einmal Linas Website und entdeckte ihr Cabin Diary. Bereits nach den ersten Einträgen bereute ich, sie so lange aus den Augen verloren zu haben und verstand angesichts der liebevollen Zusammenstellungen aus Bild und Text ihren Wunsch, für diese Arbeit nicht nur mit Likes, sondern auch monetär vergütet zu werden. Mitgerissen von ihrem leidenschaftlichen Engagement und gepackt von den bildhaften Erzählungen ihres Aufenthalts in Südafrika während der Quarantäne, bestellte ich mir direkt ihr neues Buch. 

Schnell.liebig erinnert mich an ein Leben, dass ich selbst nie gelebt, aber über Jahre herbeigesehnt habe. Aufgewachsen mit den romantisch-verklärten Prototypen des Single-Daseins aus Sex and the City und dem liebevoll-chaotischen Beziehungs-Wirrwarr aus Friends, weckt das Buch Erinnerungen, die lange in mir verborgen lagen und stellt Fragen, die auch meine Gedanken regelmäßig kreuzen.  

Im eleganten Hindernislauf zwischen Erdachtem und Erlebtem bewegt sich die Autorin an den Grenzen zwischen Lieben und Leiden, Sehnsucht und Unabhängigkeit und streift dabei scheinbar nebensächlich zentrale Themen jener Millenial-Generation, zu der auch ich mich zähle.

Gerade in der Zusammenkunft jener Gedanken, die vor dem Hintergrund des weltlichen Geschehens so bedeutungslos scheinen und für den Einzelnen eben doch so zentral sind, liegt für mich die größte Stärke von schnell.liebig und auch allen anderen Texten von Lina Mallon.  

Eine Empfehlung.

Lara

Als Pendlerin zwischen Gestern und Heute teile ich seit 2019 meinen inneren Monolog auf dieser Website. Micropolis ist für mich Collage und leeres Blatt. Eskapismus und Tor zur Welt.

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