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STILLE

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Inspiriert von Erling Kagge, habe ich vor knapp vier Wochen einen Text zum Thema Stille begonnen. Es war vor Corona, vor Isolation und Social Distancing. Niemals wäre mir eingefallen, dass ich in naher Zukunft so lebhaft erfahren würde, was Stille bedeutet.

Zuerst begegnete ich ihr kurz vor der Krise. In einem kleinen Küstenort. Anfang März. Unser eigentliches Ziel war ein anderes. Doch die Unsicherheit um Corona trieb uns weg von den Massen.

Ich wusste um die Ruhe der Nebensaison. Hatte mich eingestimmt auf ein neues Erleben. Und schon unsere Ankunft bestätigte meine Vermutung. Nur eine Hand voll Menschen kreuzte unseren Weg und selbst das Meer war so friedlich, dass jeder unserer Schritte einer Ruhestörung gleich kam.

Erling Kagge – Stille

Morgendliche Spaziergänge verbachte ich alleine. Nur ich und das Rauschen der Wellen. Die Stille trug mich durch die Tage. Und Schwermut kam auf, als die Heimreise nahte. Doch die Stille folgte mir.

Einige Wochen später. Ostern. Ohnehin ein besinnliches Fest, jedoch gewöhnlich eines, das man im Kreise der Familie verbringt. Nicht in diesem Jahr.

Es ist früh. Kaum acht Uhr am Morgen. Ein Blick aus dem Fenster. Eigentlich sollten sich zahlreiche Menschen auf dem gegenüberliegenden Kirchenvorplatz tummeln. Ihre lebhaften Unterhaltungen sollten die Wohnung erfüllen. Das wohltuende Rauschen ihrer Gespräche meinen Morgenkaffee untermalen. Heute liegt alles in Stille.

Es ist diese Kulisse, die mir besonders fehlt. Die Vielzahl an Geräuschen, die entstehen, befindet man sich unter Menschen. In Cafés. Kneipen. Restaurants. Unterhaltungen, vereint in harmonischer Unruhe. Wellen, vereint im Rauschen des Meeres. Die Erinnerung, dass Alleinsein nicht Trennung bedeutet.

Weißes Rauschen.

Lara

Als Pendlerin zwischen Gestern und Heute teile ich seit 2019 meinen inneren Monolog auf dieser Website. Micropolis ist für mich Collage und leeres Blatt. Eskapismus und Tor zur Welt. Viel Spaß beim Lesen!

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