Motivwechsel

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Unsere Bildwelten befinden sich in stetem Wandel. Instagram beschleunigt und pointiert diese Entwicklung. Zeigten unsere ersten Gehversuche auf der Foto-Plattform vorwiegend kitschige Landschaftsbilder, überlagert mit Retro-Filtern und Analog-Ästhetik, scheint sich spätestens mit dem Einbau der Frontkamera ins Smartphone ein Motivwechsel ereignet zu haben. Strände, Hochhausschluchten und Sonnenuntergänge sind vom Bildmittelpunkt zur Kulisse geworden und machten Platz für unser Ego. 

Instagram zeigt uns überinszenierte Welten und zensierte Leben. Umringt von eindrucksstarken Kulissen sehen wir den Alltag von Fremden und Freunden und wie beim Windowshopping gilt unsere wahre Sehnsucht nicht dem Produkt, sondern dem Leben derer, die es sich leisten können.

Jedes Bild das wir hochladen, scheint ein Investment in die scheinbar schöne Utopie. Spielen wir nach den Regeln, werden wir reich belohnt. Likes, Kommentare und Shares motivieren uns weiterzumachen. Beeinflussen uns in dem, was wir zeigen. Machen uns zum rotierenden Spielball der Erwartungen anderer. 

Doch der Leistungsdruck, dem wir uns aussetzen, macht nur die wenigsten zu Diamanten. Mit einer Schulter abgewandt vom Lärm der Sozialen Medien ziehen sich die anderen irgendwann zurück. Flüchten in ihre individuelle Schäferideologie. Die uralte Idee von Arkadien. 

Geläutert und bekehrt durch Achtsamkeit, Einkehr und Natur, stellen sie sich der Frage, ob Eskapismus tatsächlich die Lösung des Problems der Bilder ist. Sehnen sie sich tatsächlich zurück in den Schoß der Natur? Möchten sich verlieren im Symbol des unschuldigen Lamms, das Schutz sucht vor den Herausforderungen der Gegenwart? Oder verhalten sie sich vielmehr wie das Schaf? Dessen wohlig scheinende Behaglichkeit auf schlichter Passivität und seiner mangelnden Bereitschaft zu unabhängigem Denken beruht. 

Egal wo wir uns bewegen, wir sind immer zugleich Protagonist und Zuschauer. Wir lenken Aufmerksamkeit, wechseln Perspektiven und verändern (Bild-) Welten, selbst wenn wir unser Ego hinter scheinbarer Passivität verstecken. Anstatt also Zuflucht im Rückzug zu suchen, weil die Welt uns nicht auf direktem Wege in den Olymp erhebt, scheint es doch schrecklich spannend, auch abseits gelernter Regeln und starrer Darstellungsformen aktiv zu werden. Egal womit. 

Lara

Als Pendlerin zwischen Gestern und Heute teile ich seit 2019 meinen inneren Monolog auf dieser Website. Micropolis ist für mich Collage und leeres Blatt. Eskapismus und Tor zur Welt.

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