Über Heimat, Übers Sein

Morgenroutine

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Da sitze ich nun. Wach seit 6 Uhr. Frisch geduscht. Im Schneidersitz. Auf dem Boden.

Ein Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee und billigen Ikea-Teelichtern liegt in der Luft. Ich bin bereit. Bereit für die Welt. Bereit für den Tag. Bereit, für meine neue Morgenroutine. Bereit zu Meditieren.

So läuft das als Millenial. Schluss mit Alkohol, Feierei, Fleischkonsum. Dafür dann bewusst, nachhaltig, achtsam. Den Kopf voller Ziele. Leider keines davon die gemütliche Kneipe um die Ecke.

App geöffnet. Button geklickt.

Eine sympathische Frauenstimme redet beruhigend auf mich ein. Auch Millenial. Versteht sich. Nur schon einen Schritt weiter als ich. Sie beginnt keine Morgenroutine. Sie ist die Morgenroutine.

Erst läuft es ganz gut. Ich atme tief in den Bauch. Mein Körper kommt zur Ruhe. Nur der Kopf macht nicht mit. Gedanken fliegen rein und raus. Nicht unüblich. Beim Meditieren. Wegschieben und weitermachen. Einfacher gesagt als getan.

Denke an einen wunderschönen Ort. Nichts leichter als das. Ich sehe Urlaub. Mallorca. Nebensaison. Natur pur. Ballermann. Ein Ohrwurm. Verdammt!

Ob sich der König von Mallorca einfach wegschieben lässt?

Ich soll mich jetzt mit der Fülle des Universums verbinden. Mein Wille ist ungebrochen. Ich sehe den nachtschwarzen Himmel. Tausende von Sternen. Den Mond. Energie. Die Leere wird spürbar. Allerdings nicht in meinem Kopf. Mein Magen knurrt.

Genug. Ich entscheide, heute nicht in Form zu sein für Meditation. Lausche trotzdem bis zum Ende der netten Stimme. Hoffentlich wird Morgenroutine mit der Zeit einfacher.

Den Rest des Tages verbringe ich mit dem König von Mallorca.

Anstrengend, das Leben als Millenial. Aber da muss ich wohl durch.


Morning Routine

Here I am. Up since 6:00. Freshly showered. I’m cross-legged. On the floor.

The smell of freshly brewed coffee and cheap Ikea tea lights in the air. I’m ready. I’m ready for the world. Ready for the day. Ready for my new morning routine. Ready to meditate.

That’s how it goes as a millennium. No more drinking, partying, eating meat. But then conscious, sustained, mindful. Head full of goals. Unfortunately none of them the cosy pub around the corner.

App open. Button clicked.

A sympathetic female voice speaks reassuringly to me. Also Millenial. Of course. Only one step further than me. She doesn’t start her morning routine. She is the morning routine.

At first, it goes pretty good. I take a deep breath in my stomach. My body comes to rest. Except for my head. Thoughts fly in and out. It’s not unusual. Meditating. Push away and keep going. Easier said than done.

Think of a beautiful place. Nothing easier than that. I see vacation. Mallorca. Off-season. Pure nature. Ballerina. A catchy tune. Damn it!

I wonder if the King of Mallorca can be pushed away.

I’m supposed to connect with the fullness of the universe now. My will is unbroken. I see the night-black sky. Thousands of stars. The moon. Energy. The emptiness is palpable. But not in my head. My stomach is growling.

Enough. I choose not to be in shape for meditation today. Listen anyway, until the end of that nice voice. Let’s hope the morning routine will become easier as time goes on.

I spend the rest of the day with the King of Mallorca.

Exhausting life as a millenial. But I’ll have to get through it.

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