Geniekult

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Goethe und die Muse
Goethe und die Muse
Drei Tonnen Sprengstoff drohen zu zerplatzen:
Mein Kopf ist voller Unsinn bis zum Rand
Die Muse kam vorbei, mit mir zu schwatzen
Sie blieb ein paar Minuten und verschwand.
Ich horche auf, bevor ich mich entspanne,
Warum hat ihr Verhalten mich verwirrt?
Ein nächtlicher Besuch bei einem Manne
Hätte den Ruf der Muse ruiniert
Ich, freilich, habe allen Grund zur Klage
Denn diese Muse, munkelt man im Haus, 
Verweilte bei Brentano ein paar Tage
Bei Schiller ging sie ständig ein und aus
Ich machte mich ans Werk, weil ich sie hasste,
Gott, sagt man, hat für jeden einen Plan
Doch sie war fort – der Geistesblitz verblasste –
Samt Kleingeld: für ein Taxi, nahm ich an.
Verzweifelt, wie ich durch die Wohnung irrte,
Ich grübelte: Warum ging sie mir fremd?
Ich habe sie womöglich schlecht bewirtet,
Nun gebe ich mein allerletztes Hemd
Der abgebrannten Kerzen spröde Asche
Auf dem vor Kummer trockenen Gebäck.
Den Schnaps, allein für sie bestimmte Flasche,
Trinke ich nun mit Nachbarstrotteln weg
Die Zeit löscht aus, Gedanken schwarze Liste,
Für mich blieb dieser Abschied kontrovers
Auf Nimmerwiedersehen, meine Liebste,
Von dir bleibt mir nur dieser eine Vers
Nur dieser Vers – doch was für eine Krönung!
Das eigene Genie gesteht man gern
Her mit den Blumen, Ehren, der Belohnung:
„Das also war des Pudels Kern!“

von Anna

Lara

Als Pendlerin zwischen Gestern und Heute teile ich seit 2019 meinen inneren Monolog auf dieser Website. Micropolis ist für mich Collage und leeres Blatt. Eskapismus und Tor zur Welt. Viel Spaß beim Lesen!

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