Ökologisches Denken in der Kunst

Hundertwasser Ausstellung Forum Lindau

Eine Reise im vergangenen Spätsommer führte mich über Wien bis nach Lindau. Zu dieser Zeit beschäftigte ich mich – angeregt durch die Ausstellung „Der Fluss bin ich“ – intensiv mit dem Thema Wasser. Auch meine eigene Forschung, die sich zwischen Kunst, Technologie und Natur bewegt, prägte zu dieser Zeit meinen Blick. Wahrscheinlich fiel deshalb meine Aufmerksamkeit in beiden Städten immer wieder auf die Arbeiten von Friedensreich Hundertwasser.

Eigentlich hatte mich Hundertwassers Stil nie besonders angezogen. Doch während eines Frühstücks im Café Friedrich im KunstHausWien begann ich, mich näher mit den Ideen und Konzepten hinter seinen Arbeiten zu beschäftigen. Vor allem seine Rolle als früher Vertreter eines ökologischen Denkens in Kunst und Architektur ließ mich aufhorchen. Besonders beeindruckte mich, wie selbstverständlich er Natur in seine Werke integrierte und mit welcher Begeisterung er das Lebendige in den Mittelpunkt stellte.

Hundertwasser Lindau
Café Friedrich Wien

Schon beim Betreten des Museums wird deutlich, wie entschieden Hundertwasser die gerade Linie und rechtwinklige Kanten ablehnte. Für den Künstler war sie ein Symbol des Rationalismus, gegen den er mit seiner Arbeit antrat. Es wird angenommen, dass seine Kritik an der „Geometrisierung des Menschen“ unter anderem in seinen Erfahrungen als Jugendlicher während der Zeit des Nationalsozialismus begründet liegt.

Der sterilen Nachkriegsmoderne setzte er seine Vision einer natur- und menschengerechten Architektur entgegen. Er wandte sich gegen die Eintönigkeit moderner Städte, die er mitverantwortlich für menschliches Elend sah. Zu seinen Forderungen gehörten etwa ein Recht auf individuelle Fenster sowie die Pflicht, Pflanzen – etwa in Form begrünter Dächer – als festen Bestandteil in die Architektur zu integrieren. Auch frühe Ansätze eines Kreislaufdenkens finden sich in seinen Überlegungen, die auf ein Leben im Einklang mit den Gesetzen der Natur zielten. Gebäude waren für Hundertwasser keine starren Konstruktionen, sondern lebendige Organismen.

Hundertwasser Forum Lindau
Hundertwasser Ausstellung Lindau

Neben dem Wiener Stadtbild begegnete mir Hundertwasser später auch in der Ausstellung „Friedensreich Hundertwasser – Das Recht auf Träume“ des Hundertwasser Forums im ehemaligen Kunstmuseum am Inselbahnhof in Lindau. Die Schau zeigte einen Querschnitt durch sein Werk – von Gemälden und Grafiken bis hin zu architektonischen Entwürfen. Im Mittelpunkt standen seine Visionen einer naturverbundenen, menschengerechten Welt sowie seine Forderung nach individueller Kreativität und ökologischer Verantwortung.

Besonders faszinierte mich dort die Verbindung von Kunstvermittlung mit ökologischer Bildung und kreativer Praxis. Ziel des Hundertwasser Forums ist es, vor allem Kinder und Jugendliche nachhaltig für Kunst, Umweltbewusstsein und eigenverantwortliches Handeln zu begeistern – ein Ansatz, der mir im Kontext der Ausstellung ebenso überzeugend wie zeitgemäß erschien.

Am 27. 03.2026 wird die Ausstellung „Die Kunst der Vielfalt“ in Lindau eröffnet, die Einblicke in das grafische Werk von Friedensreich Hundertwasser sowie den kreativen Schaffensprozess des Künstlers bietet.

Larissa Lenze

Larissa bewegt sich zwischen Menschen, Marken und Medien. Als Kulturwissenschaftlerin und Marketingstrategin beobachtet sie Medien- und Zeitgeschehen und spricht mit Menschen, die es mit besonderen Impulsen bereichern.

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